#stayinside, but #staypublic

13.03.2020 | Folke Witten-Nierade

„Es ist traurig, dass das soziale Leben in unserer Stadt jetzt nahezu vollständig zum Erliegen kommt. Es tut Menschen nicht gut, wenn Orte des realen sozialen Miteinanders völlig entfallen. Es ist unser aller Verantwortung, jetzt ganz besonders achtsam und solidarisch miteinander umzugehen." 

13.3.2020, Intendant Joachim Lux mit der Bekanntgabe der Einstellung des Spielbetriebs des Thalia Theater Hamburg bis zum 30.4. 2020

An alle Kulturtreibenden in Flensburg, Schleswig- Holstein und darüber hinaus

Wir, eine Gruppe von Kunst-, Film-, Theater-, Musik- und Kulturschaffenden aus Flensburg und Umgebung, eröffnen hiermit als Antwort auf den kulturellen „SHUTDOWN“, der gerade Europaweit stattfindet,  #staypublic, als digitale Plattform.

Motto: „Eine Bühne all denen wieder geben, die ihre jetzt verloren haben.“  

Wir werden Zeuge, wie das öffentliche und kulturelle Leben in kürzester Zeit komplett zum Erliegen kommt, bzw. kommen wird. Das ist ein verstörender und einmaliger Vorgang in der Geschichte dieser Demokratie.

Es kann sich um 4 Wochen handeln, aber auch um 6 Monate. Das lässt sich im Moment überhaupt nicht absehen. Daher macht es Sinn, sich darüber auszutauschen, wie ein öffentliches kulturelles Leben in Zeiten geschlossener Theater, Galerien, Museen, Clubs, Kneipen, Universitäten überhaupt noch aussehen kann und wie die jetzigen Entwicklungen künstlerisch-kulturell reflektiert und begleitet werden können.


Neben den jetzt schnell einsetzenden politischen Initiativen der Kulturverbände, um die wirtschaftliche Absicherung vieler Kulturtreibender voran zu bringen (u.a. Grundeinkommen für Kulturschaffende), sehen wir die Notwendigkeit für ein öffentliches FORUM, wo Gedanken ausgetauscht werden können, wie wir trotz Schließungen weiter eine kulturelle Öffentlichkeit herstellen können. Social Media, Live Stream, Chat und Videoclips werden dabei logischerweise eine zentrale Rolle einnehmen.  

Ein angeregtes  Experimentieren mit ungewöhnlichen Sende-Formaten wird ein Pfad dabei sein, mit der dramatischen Situation umzugehen. All abendliche Fenster- und Balkongesänge wie in Italien könnten folgen. 

Ein intensiver, solidarischer Austausch, Sichtbarkeit und  ÖFFENTLICHKEIT sind jetzt eine Überlebensfrage für alle Kunst- und Kulturschaffenden, die jetzt von Absagen überschüttet werden. 

Sichtbarkeit von Kultur und ein öffentliches Leben sind unverzichtbare Elemente einer demokratischen Gesellschaft, ein hohes Gut. Und Corona wird kein Einzelfall bleiben.

Als eine Gruppe von freischaffenden KünstlerInnen denken wir, als einen Schritt in die richtige Richtung, einen Blog einzurichten für Flensburg und den umliegenden Kreis- mit verschiedenen Themenforen. Darüber hinaus können sich vielleicht verschiedene Akteure auf technischer Ebene, in Bezug auf Video und Audio-Live Stream, social media Kanäle miteinander verknüpfen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, damit Künstler mit ihren nun abgesagten Auftritten, trotzdem eine spannende Form von Öffentlichkeit und eine optimale Vernetzung ihre neuen Sendekanäle finden können.

#staypublic bietet jetzt schon mal die Möglichkeit Eure Live- Wohnzimmer-, Studio- Sofakonzerte, Eure Kommentare, Clips und Links zum Thema „Kultur in Karantäne“ zu publizieren und darüber hinaus eure Blogs und Foren zu vernetzen.


wir freuen uns auf Eure Beiträge